Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 24/18 - 10.12.2018

DGB-Kreisverband Augsburg sieht weiteren Korrekturbedarf zur Stärkung der gesetzlichen Rente

Silke Klos-Pöllinger: „Die neuesten Zahlen für Augsburg sind erschreckend: Nur gute Arbeit sichert eine gute Rente!“

Nicht zuletzt aufgrund des am Freitag veröffentlichten Rentenreports des DGB Bayern sieht auch der DGB-Kreisverband Augsburg weiteren Korrekturbedarf zur Stärkung der gesetzlichen Rente: „Dass Männer, die 2017 in der Stadt Augsburg erstmals eine Altersrente bezogen haben, im Schnitt nur 662 Euro pro Monat Rente erhielten und damit das Schlusslicht in Bayern bilden, ist erschreckend“- erklärt Silke Klos-Pöllinger vom DGB Augsburg. „Frauen mussten mit durchschnittlich 622 Euro auskommen. Damit liegen sowohl die Frauen als jetzt auch die Männer sehr deutlich unter der Armuts-gefährdungsschwelle von derzeit 1.074 Euro“, so die DGB-Kreisvorsitzende.

In den angrenzende Landkreisen sah es zumindest bei den Durchschnittsrenten der Männer deutlich besser aus: Im Landkreis Augsburg erhielten männliche Neu-Rentner im Schnitt 1.201 Euro, Frauen 686 Euro. Im Landkreis Aichach-Friedberg waren es bei den Männern durch- schnittlich 1.216 Euro und bei den Frauen 653 Euro.

Insbesondere in den Landkreisen zeigt sich damit erneut, dass Frauen im Vergleich zu den Männern eine deutlich niedrigere gesetzliche Durchschnittsrente beziehen. Dies ist unter anderem auf die niedrigere Erwerbsbeteiligung und unterbrochene Erwerbsbiografien von Frauen zurückzuführen. Zudem sind sie wesentlich häufiger mit reduzierten Arbeitszeiten und dem sich ausweitenden Niedriglohnsektor konfrontiert.

Bei den neuen niedrigen Durchschnittswerten der Augsburger Männer mit 662 Euro scheint es wohl noch andere Erklärungen zu geben: Es gibt unterschiedliche Rentenarten, die sich in der Regel auch auf die Höhe des Auszahlungsbetrages niederschlagen. In Augsburg liegt insbesondere der Anteil der Regelaltersrenten (mind. 5 Pflicht-Beitragsjahre), aber auch der Altersrenten für langjährige Versicherte (mind. 35 Pflicht-Beitragsjahre) deutlich über dem Durchschnitt des Regierungsbezirks Schwaben. Die Rentenhöhen für diese Altersrenten erreichen dagegen nur unterdurchschnittliche Beträge. Dies senkt den durchschnittlichen Zahlbetrag. In Augsburg sind im Rentenzugang auch die Altersrenten für besonders langjährig Versicherte (mind. 45 Pflicht-Beitragsjahre) vom Anteil her unterdurchschnittlich vertreten: knapp halb so viel wie in ganz Schwaben. Auch dies hat ein Absinken des Durchschnittsbetrages zur Folge.

Der geringere Anteil besonders langjährig Versicherter kann als Indiz gewertet werden, dass ein überdurchschnittlicher Wechsel aus der gesetzlichen Rentenversicherung in andere Alterssicherungssysteme (beispielsweise Beamtenversorgung oder Selbstständigkeit) erfolgt ist. Vermutlich spielt auch der höhere Migrantenanteil in der Arbeiterstadt Augsburg eine Rolle bzw. eine sozial-versicherungspflichtige Tätigkeit in Deutschland von weniger als 35 Jahren bei Rentenbeginn. Auch das mit anderen bayerischen Städten verglichene geringe Einkommensniveau der Augsburger von zuletzt etwas mehr als 19.000 Euro im Jahr wirkt sich aus.

Silke Klos-Pöllinger: „Wenn kein anderes Einkommen da ist, und nur die gesetzliche Rente bezogen wird, dann ist natürlich die Gefahr von Altersarmut für Augsburger Rentner und Rentnerinnen besonders groß.“

Aufgrund der beängstigenden Situation gründete sich auf Initiative der örtlichen IG Metall vor rund einem Jahr auch die „Augsburger Allianz für eine gute Rente“, der neben den Gewerkschaften auch der VdK, die Arbeiterwohlfahrt, die Arbeitnehmerorganisationen der Kirchen sowie das Sozialreferat der Stadt Augsburg angehören, so Silke Klos-Pöllinger. Die Allianz will auf die gerade in Augsburg weiter wachsende Altersarmut aufmerksam machen und ihr den Kampf ansagen. „Gerade die Menschen, die im Berufsleben wenig verdienen und somit auch später nur sehr niedrige gesetzliche Renten bekommen, können es sich schlichtweg nicht leisten, privat vorzusorgen. Niedrige Löhne und private Vorsorge schließen sich faktisch aus. Daher muss die gesetzliche Rente weiter gestärkt, das Rentenniveau perspektivisch wieder angehoben werden“, fordert Silke Klos-Pöllinger.

Die Befunde aus dem vierten Bericht der Bayerischen Staatsregierung zur sozialen Lage in Bayern machen deutlich, dass niedrige Löhne bei weitem kein Randphänomen darstellen. So erzielte eine Mehrheit von 56,8 Prozent der Frauen in Bayern im Jahr 2014 ein monatliches Nettoeinkommen von unter 1.500 Euro. Bei den Männern war dies bei nicht einmal jedem vierten der Fall (22,7 Prozent). Verdienste von über 3.200 Euro erreichte hingegen fast jeder fünfte Mann (19,9 Prozent) aber nicht einmal jede zwanzigste Frau (4,8 Prozent). Die hohen Ungleichgewichte bei den Rentenzahlungen werden sich ohne Umsteuern somit auch in Zukunft fortsetzen.

Silke Klos-Pöllinger zufolge sei neben dem Entgelt und dem Stundenumfang vor allem ein stabiles Erwerbsleben für eine sichere Rente entscheidend: „Nur gute Arbeit bringt auch gute Renten hervor. Daher ist es dringend notwendig, den im europäischen Vergleich hohen Niedriglohnsektor endlich auszutrocknen.“ Zudem müssten laut Silke Klos-Pöllinger atypische Erwerbsformen wieder in Normalarbeit transformiert und die Tarifflucht der Arbeitgeber gestoppt werden. Neben all diesen Maßnahmen muss die Leistungs-fähigkeit der gesetzlichen Rentenversicherung weiter gestärkt werden. Der DGB setzt sich daher auch weiterhin für ein steigendes Rentenniveau ein.


Weitere aktuelle Zahlen und Fakten zur Situation der Rentnerinnen und Rentner im Freistaat finden sich im neuen Rentenreport des DGB Bayern. Dieser kann unter https://bayern.dgb.de/service/broschueren heruntergeladen werden.


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