Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 18/18 - 11.10.2018

„Verbesserungen im Niedriglohnbereich – Fehlanzeige?!“

DGB und KAB diskutieren zum Internationalen Tag der menschenwürdigen Arbeit

Das am 1. Oktober 2018 in Kraft getretene Gesetz, das für Leiharbeiter besagt, dass sie nach 18 Monaten in Leiharbeit in derselben Firma, von dieser in feste Arbeit übernommen werden müssen, stand am Montag, 8. Oktober, anlässlich des Internationalen Tages der menschenwürdigen Arbeit im Zentrum einer Diskussionsveranstaltung von KAB und DGB im katholischen Pfarrsaal in Augsburg-Pfersee. Als Gäste in der Gesprächsrunde begrüßten Erwin Helmer (KAB) und Wolfgang Peitzsch (DGB) Roland Fürst (Agentur für Arbeit), Eugen Scheinberger (Betriebsrat Firma Adecco), Jürgen Bögl (Betriebsrat SGL Brembo), Björn Kannler (IG Metall Augsburg) und Hans Gilg (Kath. Betriebsseelsorge).

Roland Fürst (Agentur für Arbeit) betonte, dass von der hervorragenden Situation am Arbeitsmarkt zunächst einmal alle Personengruppen profitierten, auch die Langzeitarbeitslosen und älteren Arbeitnehmer*innen. So seien in der Agentur Augsburg rund 13.000 Arbeitnehmer*innen arbeitslos gemeldet, so wenige wie seit Jahrzehnten nicht. Innerhalb der Arbeitslosen sei allerdings eine große Fluktuation feststellbar, so meldeten sich monatlich zwischen 4000 und 5000 Kunden arbeitslos, etwa ebenso viele fänden aber im gleichen Zeitraum auch wieder Arbeit. Was die neue Gesetzgebung im Bereich der Leiharbeit angehe, könne noch nicht abschließend beurteilt werden, ob nach 18 Monaten die Betriebe Leiharbeitnehmer tatsächlich übernähmen, eine gewisse Skepsis sei hier aber sicher angebracht.

Tarifvertragliche Regelungen zur Leiharbeit, betonte Björn Kannler von der IG Metall, hätten sicherlich positive Auswirkungen auf Gehalt und Dauer von Leiharbeitsverträgen, allerdings sei ihre Wirkung dennoch begrenzt. Im Verhältnis verdienten Leiharbeitnehmer*innen in der Metall- und Elektrobranche zwar anständig, seien aber von Equal Pay immer noch ein ganzes Stück entfernt.

Dies bestätigte auch Eugen Scheinberger, Betriebsrat beim Personaldienstleister Adecco, der betonte, dass Arbeitnehmer in Leiharbeit beispielsweise auf Sonderzahlungen oder Zuschläge verzichten müssten und sich dies natürlich auch später im Rentenbezug deutlich negativ auswirke.

Jürgen Bögl, Betriebsrat bei SGL Brembo, konnte zwar berichten, dass einige Leiharbeitnehmer aufgrund einer Quotenregelung in den letzten Jahren von seinem Unternehmen in Festanstellung übernommen worden seien, er aber Kollegen, die auf Leiharbeit setzten, um schnelles Geld zu machen, in Beratungsgesprächen deutlich mache, dass es sich um unsichere Beschäftigungsverhältnisse handle, die schlechter bezahlt seien.

Aus seiner Tätigkeit als Betriebsseelsorger stellte Hans Gilg einige besonders beeindruckende Fälle dar und kam zu dem Schluss, dass die Ausnutzung abhängig Beschäftigter nach wie vor kaum Grenzen kennt. Deshalb bleibe die Forderung nach menschenwürdiger Arbeit auch heute aktuell.


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