Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 06/17 - 08.03.2017

Muss Ludwig-Heilmeyer-Straße umbenannt werden?

DGB-Kreisvorsitzender: Günzburg darf sich Diskussion nicht ersparen

Günzburg: Ludwig Heilmeyer hat in Günzburg einen guten Namen. Der 1969 verstorbene Gründungsrektor der Uni Ulm hat sich im Zusammenhang mit dem Bezirkskrankenhaus durchaus auch seine Meriten für Günzburg verdient. Nicht zuletzt deshalb wurde die zu den Krankenhäusern führende Straße nach ihm benannt. Doch nach der jetzt hochkochenden Diskussion über die „braune Vergangenheit“ des Wissenschaftlers, wird sich Günzburg eine Diskussion, ob diese Straßenbenennung noch aufrechterhalten werden kann und darf, nicht ersparen können. Auch nicht wenn diese Diskussion unbequem ist und sie einige vermutlich für überflüssig halten, so der DGB-Kreisvorsitzende Werner Gloning.
Gloning wurde in Reisensburg von einem Teilnehmer einer Diskussionsveranstaltung der EVG (Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft) auf die in Baden-Württemberg derzeit laufende Diskussion zur Vergangenheit Heilmeyers hingewiesen.
Laut Prof. Florian Steger, Leiter des Instituts für Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin an der Uni Ulm, engagierte sich Heilmeyer u.a. beim Stahlhelm, einem Wehrverband, der Stellung gegen die Weimarer Republik bezog und rassistische Hetze betrieb. Der junge Mediziner ging dann an die Uni Jena, „die ein Sammelbecken für Rechtsgesinnte war“ und gründete dort den „Nationalsozialistischen Deutschen Dozentenbund“, beim dem er das Amt des Dozentschaftsführers ausübte.
Auch nach dem Krieg und das ist für Gloning besonders bedenklich, habe sich Heilmeyer offensichtlich nicht von seiner braunen Vergangenheit distanziert.
Bei einer Diskussion ob die „Ludwig-Heilmeyer-Straße umbenannt werden soll, so Gloning, geht es nicht um selbstgerechte Vergangenheitsbewältigung. „Keiner von uns weiß“, so der DGB-Kreisvorsitzende, „wie er sich unter den damaligen Verhältnissen verhalten hätte“, sondern es geht um die Frage, ob eine Beibehaltung des Straßennamens nicht signalisiert, so schlimm war das, was damals geschah, auch wieder nicht. Gloning: Eine solche Diskussion ist für unsere demokratische Kultur ungeheuer wichtig, gerade in einer Zeit, in der sich AfD und Co. wieder daran machen, das damalige furchtbare Geschehen zu relativieren.
Gloning schlägt vor, dass die Stadt Prof. Steger zu einem Vortrag einlädt, um eine Grundlage für eine fundierte Diskussion zu schaffen.
Die Vergangenheitsbewältigung im Zusammenhang mit dem in Günzburg geborenen KZ-Arzt Mengele habe gezeigt, dass es ein Fehler sei sich wegzudenken und zu verdrängen. Die nach einer solchen Phase vom damaligen Oberbürgermeister Dr. Rudolf Köppler angestoßene offene Diskussion des Themas habe Günzburg gut getan.

Werner Gloning

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